Guillotine- oder Schiebeverglasung? Glassysteme im Vergleich
Bei der Guillotine-Verglasung bewegen sich die Elemente senkrecht und geben die Öffnung vollständig frei. Bei der Schiebeverglasung laufen sie waagerecht und erlauben teilweises Öffnen, belegen dann aber Platz an einem Ende. Die Wahl hängt an den Proportionen der Öffnung.
Wie die beiden Systeme arbeiten
Bei der Guillotine-Verglasung werden die Elemente in senkrechten Schienen angehoben und in jeder Höhe arretiert. Bei der Schiebeverglasung laufen sie waagerecht auf Rollenwagen zwischen oberer und unterer Schiene. Der Unterschied ist nicht nur die Richtung, sondern auch, wo die Elemente im geöffneten Zustand stehen.
Bei der Guillotine-Verglasung verschwinden die Elemente oben und belegen in der Waagerechten keinen Platz. Bei der Schiebeverglasung sammeln sie sich an einer Seite und stapeln sich dort. Auf schmalen Balkonen wird dieser Unterschied entscheidend.
Flächennutzung und Öffnung
Die Schiebeverglasung benötigt anders als Drehflügel keinen Schwenkraum und erhält die nutzbare Fläche auf schmalen Balkonen. Die Guillotine-Verglasung gibt die Öffnung im geöffneten Zustand vollständig frei, was bei ungestörter Aussicht von Vorteil ist.
- Schmaler, langer Balkon: Schiebeverglasung meist praktischer
- Hohe, schmale Öffnung: Guillotine-Verglasung passender
- Kein seitlicher Platz zum Stapeln: Guillotine-Verglasung
- Häufiges teilweises Öffnen: Schiebeverglasung
Elementmaße und Grenzen
Bei der Guillotine-Verglasung liegt die Elementhöhe je nach System zwischen 2,4 und 3,5 Metern, die Breite abhängig von der Glasstärke zwischen 60 und 100 Zentimetern. Breitere Öffnungen werden mit mehreren Elementen ausgeführt, die Zwischenpfosten so schlank wie möglich gehalten.
Bei der Schiebeverglasung richtet sich die Elementzahl nach Öffnungsbreite und Schienensystem. Rahmenlose Ausführungen falten die Elemente beim Öffnen zur Seite, sodass mehr Elemente möglich sind.
Dämmung und Dichtigkeit
In beiden Systemen dämmt Einfachverglasung nur begrenzt, der Wärmedurchgang liegt bei etwa 5,7 W/m²K. Mit Isolierglas sinkt er auf 1,1-2,8 W/m²K, die Schalldämmung erreicht 38 dB.
Rahmenlose Schiebesysteme sind auf das Erscheinungsbild ausgelegt und dämmen begrenzt; sie halten Wind und Staub ab, eine Wärmedämmung ist nicht zu erwarten.
| Merkmal | Guillotine | Reinigbare Guillotine | Schiebe |
|---|---|---|---|
| Bewegungsrichtung | Senkrecht | Senkrecht | Waagerecht |
| Elemente geöffnet | Oben verdeckt | Oben verdeckt | Seitlich gestapelt |
| Max. Elementhöhe | 3,5 m | 3 m | Systemabhängig |
| Schutzart | IP65 | IP55 | Systemabhängig |
| Schalldämmung | 28-38 dB | 28-38 dB | 28-38 dB |
| Außenseite reinigen | Von außen | Von innen | Von außen |
Reinigung: das übersehene Kriterium
Die Außenseite des Glases in Obergeschossen zu erreichen ist ein ernsthaftes Problem und wird beim Kauf selten bedacht. Deshalb gibt es die reinigbare Guillotine-Verglasung: Die Elemente lassen sich herausnehmen oder nach innen kippen, sodass die Außenseite von innen gereinigt wird.
Im Erdgeschoss, wo die Fassade leicht erreichbar ist, ist die Standardausführung wirtschaftlicher und dichter (IP65 gegenüber IP55). Die Entscheidung sollte der Geschosshöhe und dem Fassadenzugang folgen.
Sicherheit und Kinderschutz
Beide Systeme verwenden Einscheiben-Sicherheitsglas, das bei Bruch in kleine stumpfe Stücke zerfällt statt in scharfe Splitter. Als Verriegelung stehen Ein- oder Mehrpunktschlösser und eine Kindersicherung zur Wahl. Bei motorisierten Ausführungen stoppt eine Hinderniserkennung die Bewegung.
- Sicherheitsglas: verringert das Verletzungsrisiko bei Bruch
- Mehrpunktverriegelung: erschwert gewaltsames Öffnen
- Kindersicherung: verhindert versehentliches Öffnen
- Hinderniserkennung: verhindert Einklemmen bei motorisierten Anlagen
Montagedetails und häufige Fehler
Bei Glassystemen entscheidet meist die Montagequalität über die Leistung, nicht das Glas selbst. Eine nicht fluchtende Schiene macht das Element schwergängig und ermüdet mit der Zeit den Mechanismus. Ist die Entwässerung schlecht geplant, sammelt sich Wasser im unteren Profil.
Schienenflucht
Untere und obere Schiene müssen exakt parallel liegen. Schon millimetrische Abweichungen lassen das Element an einer Stelle klemmen; Nutzer beschreiben das als "das Glas geht schwer", die Ursache liegt aber nicht im Glas.
Entwässerung
Im unteren Profil liegen Entwässerungskanäle, die offen bleiben müssen. Mit Silikon verschlossene Öffnungen führen dazu, dass sich Wasser im Profil sammelt und mit der Zeit Korrosion entsteht.
Dichtungswahl
Bürsten- und Gummidichtungen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Eine Bürstendichtung hält Staub ab, lässt aber Wasser durch; wo Dichtigkeit gefordert ist, braucht es Gummi. Die Verwechslung ist der häufigste Montagefehler.
Fazit
Die Guillotine-Verglasung gibt die Öffnung vollständig frei und ist bei hohen, schmalen Öffnungen überlegen. Die Schiebeverglasung erlaubt teilweises Öffnen und ist auf langen, schmalen Balkonen praktischer. In Obergeschossen kommt das Reinigungskriterium hinzu.
Beide Systeme lassen sich auch in einem Projekt kombinieren — Guillotine an einer Seite, Schiebe an einer anderen. Beim Aufmaß messen wir die Proportionen jeder Öffnung und geben je Seite eine eigene Empfehlung.